In den letzten Tagen bin ich beim „Surfen“ über ein paar Texte gestolpert, die mir die Bedeutung von Links für das World Wide Web nochmal neu bewusst gemacht haben.
War es früher noch Usus, möglichst alle Quellen, Partnerinnen und andere Websites, die man für lesenswert hielt, von der eigenen Website aus zu verlinken, wird heute freiwillig darauf verzichtet. Im Gegenteil: Links werden absichtlich nicht gesetzt – und wenn, dann sollen sie sich bitte schön unbedingt automatisch in einem neuen Browser-Tab oder Browser-Fenster öffnen. Dahinter steckt die „Angst, die Leute zu verlieren“. Dass viele Leute, die eigene Website nur über Links gefunden haben, wird dabei vergessen.
Große Plattformen wie Instagram erschweren die Verlinkung anderer Websites absichtlich. Auch hier aus „Angst, die Leute zu verlieren“ — und weniger Werbung zu verkaufen.
Das ist eine Entwicklung, die dem Grundgedanken des World Wide Webs entgegensteht. Das WWW besteht aus Hypertexten. Hypertexte bestehen aus Hyperlinks. Die Verlinkung eigener und fremder URLs ist sozusagen das Alleinstellungsmerkmal von Websites. Daher:
Lang lebe der Link!
Linksammlung zum Thema Hyperlinks
Linkfreiheit – Worum es dabei geht auf stifterverband.org, Text von Christoph Kappes, veröffentlicht am 20.09.2016
Der Link ist nicht irgendwie nur ein Internet-Ding, er ist Teil einer Kulturtechnik, mit der man dezentral Wissen organisieren kann.
Die Erosion der Quellenkultur, oder: Der eternal fools day (und die „KI“-Bilder) auf leitmedium.de, Text von Caspar Clemens Mierau, veröffentlicht 18. Oktober 2025
Das Internet war einmal ein Netz der Verweise. Heute ist es ein Strom aus Bildern, Videos und Zitaten ohne Herkunft. Zwischen KI-Scherzen, algorithmischen Feeds und der Bequemlichkeit des Teilens droht der Hyperlink zur Randnotiz zu werden.
How to Surf the Web in 2025, and Why You Should auf raptitude.com, Text von einem Autor namens David, veröffentlicht vermutlich im Juni 2025
By “surfing the internet” I don’t just mean going online. I mean exploring the internet solely by following hyperlinks from page to page, with no clear destination […] To surf, you must begin on a normal website with outbound links, and avoid all the algorithm-driven thoroughfares (Reddit, YouTube, X, any “apps”) that direct most of today’s internet traffic. You also have to be on a real computer, not a phone. If you end up on social media, you’re no longer surfing.
Beifang / Read later
- Der Feed als Kulturtechnik auf mediarep.org, Text von Annekathrin Kohout
- Der Hyperlink in der Lektüre: Pause, Leerstelle oder Flucht? auf mediarep.org, Text von Beat Suter
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