Kohlhaas & Kohlhaas
Infografiken Textgenetik – Infografik und Datenvisualisierung im Rahmen der Bazon-Brock-Website

Textgenetik-Plakat
Textgenetik-Plakat
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 12.05.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 12.05.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 09.06.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 09.06.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 20.07.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 20.07.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 12.08.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 12.08.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 23.09.2011
Textgenetikplakat zum Datenerfassungsstand vom 23.09.2011
Plakat (84,11 × 84,11 cm) zur Darstellung der Quellen des Buches „Ästhetik als Vermittlung“
Plakat (84,11 × 84,11 cm) zur Darstellung der Quellen des Buches „Ästhetik als Vermittlung“
Bildschirmfoto (Ausschnitt) der Timeline als Navigation durch die Arbeitsbiografie auf der Website, alle Flächen sind Links zu den jeweiligen Textabschnitten oder Medien (Bilder, Töne, Videos)
Bildschirmfoto (Ausschnitt) der Timeline als Navigation durch die Arbeitsbiografie auf der Website, alle Flächen sind Links zu den jeweiligen Textabschnitten oder Medien (Bilder, Töne, Videos)
Timeline-Plakat (350,01 × 54,26 cm)
Timeline-Plakat (350,01 × 54,26 cm)
Bildschirmfoto (Ausschnitt) der SVG-Grafik als Grundlage des Timeline-Plakates, reine Grafik ohne Funktionalität
Bildschirmfoto (Ausschnitt) der SVG-Grafik als Grundlage des Timeline-Plakates, reine Grafik ohne Funktionalität

Beauftragt worden waren wir mit der Erstellung einer Website, die das Gesamtwerk Bazon Brocks seit 1956 präsentiert und alle Volltexte im Netz frei zugänglich macht.
Erste Herausvorderung für uns war die Erfassung der schieren Menge an Inhalten, der inhaltlichen Struktur der Texte sowie der Beziehungen der Texte untereinander. Ein geeignetes Mittel dafür war die grafische Darstellung der statistischen Informationen aus den Datenbanken, um daraus Überlegungen für das spätere Webdesign und die Informationsarchitektur ableiten zu können.

Im Vordergrund der Arbeit an den Infografiken stand der Erkenntnisgewinn über Strukturen und Zusammenhänge des Projektes. Aber natürlich haben wir auch versucht, jeweils eine eigene ästhetische Qualität zu erreichen, die die Daten neben ihrem reinen Informationswert zusätzlich auch als Grafik sehenswert machen. Das hier entwickelte Konzept aus reduzierter Farbigkeit, Typografie und Linien wurde später wesentlicher Bestandteil der Gestaltung der Website.

Beispiel 1: Textgenetik-Teppich (Gesamtschau)

Alle Texte in der Datenbank, seien es kurze Essays, Kolumnen oder ganze Bücher, sollten möglichst kompakt dargestellt werden. Die übergeordnete Sortierung ist die Zeit. Innerhalb eines Jahres gibt es für jeden Werkeintrag einen grauen Streifen mit einer festen Höhe. Gibt es zum Werkeintrag bereits einen Text in der Datenbank, wird die Textmenge durch einen entsprechend hohen schwarzen Streifen dargestellt. Ein Buch mit mehreren Kapiteln und Textabschnitten hat entsprechend viele schwarze Streifen, so dass sich der Umfang des Werkeintrages sofort abschätzen lässt. Rote Streifen markieren Textabschnitte, in denen Zitate, sogenannte Essenzen, ausgewiesen wurden.

Aus dieser Darstellungsform wurde später für die Startseite der Website die kompakte direkte Navigation zu allen Texten und Abschnitten entwickelt, die sich aus dem Live-Datenbestand generiert.

Der Textgenetik-Teppich wurde erzeugt, indem per PHP-Skript aus der Datenbank alle Werkinformationen ausgelesen und in eine einfache XML-Struktur geschrieben worden sind. Diese XML-Daten wurden in InDesign importiert, wo mit Stilvorlagen die Höhe der Streifen generiert wurde. Dieses Vorgehen hatte den Vorteil, dass wir jederzeit und innerhalb weniger Minuten ein Abbild des aktuellen Datenbestands erzeugen und so den Fortschritt der Werkerfassung dokumentieren konnten.

Beispiel 2: Textgenetik/ Quellen (Einzelwerk)

Ein zweiter Schwerpunkt bestand in der Erfassung und dem Verständnis der Werkstruktur – sowohl innerhalb einzelner Publikationen als auch der Arbeitsbiografie im Ganzen. Beispielhaft haben wir dafür das Buch „Ästhetik als Vermittlung“ von 1977 (1000 Seiten) analysiert. Kurz zusammengefasst: Bazon Brock hat zwischen 1956 und 1977 verschiedenste Einzeltexte veröffentlicht, als Reden, Kolumnen, in Theaterheften, Zeitschriften, auf Perfomances usw. Die Ästhetik als Vermittlung ist eine Kompilation dieser Einzeltexte, ergänzt um einige neue Texte. Zum Teil wurden die Originaltexte für das Buch gekürzt oder angepasst. Mit der Visualisierung traten nun die Texte hervor, die extra für dieses Buch geschrieben worden waren, währenddessen bei den recycelten Texten der Zusammenhang zwischen Originalquelle und Vorkommen in der Ästhetik sofort deutlich wurde. In der Datenbank kommen die wiederverwendeten Texte folglich zweimal vor: als eigenständiger Werkeintrag und als Textabschnitt in der Ästhetik.

Die grafische Darstellung half bei der Erfassung fehlender Werkeinträge und der Vervolltändigung des Gesamttextes. Verweise zu Originalquellen sind nun ebenfalls in der Datenbank hinterlegt und auf der Website als Links geschaltet.

Als Einzelstück wurde hier ein Plakat in Illustrator von Hand gezeichnet, wobei die Textgenetik aus oben erwähntem InDesign-Plakat übernommen wurde. In die Website schaffte es diese Visualisierung bisher noch nicht. Die Idee, sie als SVG-Grafik dynamisch zu generieren und als alternative Navigationsform einzusetzen haben wir aber noch nicht verworfen.

Beispiel 3: Textgenetik-Zeitleiste (Gesamtschau)

Die dritte Visualisierung, die hier vorgestellt werden soll, ist die Zeitleiste aller Werke in Kombination mit der Textgenetik-Darstellung jedes Einzelwerkes und damit der große Überblick des Werkverzeichnisses in grafischer Form.

Diese Darstellung ist als interaktive Arbeitsbiografie auf der Website umgesetzt. Auch hier hatten wir die Idee, eine druckbare Repräsentation abzuleiten, die Umfang und Struktur des Werkes Bazon Brocks auf einen Blick zeigt. Für die Herstellung eines Plakates haben wir die Gesamtstruktur aus dem Datenbestand heraus als SVG-Grafik gerendet. Das Ergebnis kann (nach einiger Wartezeit) direkt im Browser betrachtet werden.

Den SVG-Quelltext haben wir in Illustrator geöffnet, um aus der rohen Zeitleiste ein Plakat zu machen. In der kleinsten sinnvollen Größe, bei der die einzelnen Textabschnitte noch ohne Lupe zu unterscheiden sind, misst das Plakat dreieinhalb Meter in der Breite bei einer Höge von etwa einem halben Meter. Einen richtigen Sinn als Informationsmittel (wo jeder Textabschnitt auch mit seinem Titel beschriftet wäre) hätte das Plakat bei einer Höhe von etwa zwei Metern, was dann einer Breite von knapp 13 Metern entspräche. Das ist dann definitiv nichts für das Wohnzimmer, sondern eher für eine Ausstellungshalle.

Über diese drei Beispiele hinaus haben wir im Projektverlauf mit mehreren anderen Formen der Visualisierung gespielt. Einer der vielversprechendsten Ansätze mit Potential für eine zukünftige Umsetzung ist dabei die Arbeit an interaktiven 3D-Grafiken auf Basis von WebGL. Hierzu haben wir bereits einige Tests programmiert, die aber noch nicht vorzeigbar sind.

Auftraggeber

Bazon Brock

Keywords

Infografik, Konzept

Zugehörige Projekte